Seelsorgeraum Fiecht-Stans-Vomp

Das Kreuz – Weg zur Erhöhung

 

Am 14. September feiert die Kirche das Fest der Kreuzerhöhung. Der Name des Festes scheint auf den ersten Blick widersprüchlich. Deshalb möchte ich auf diesem Wochenzettel diesen Titel ein wenig erklären.

Wann hat alles angefangen? Seinen Ursprung hat das Fest im Bau der Grabeskirche in Jerusalem unter Kaiser Konstantin. Der Überlieferung nach wurde das Kreuz Jesu Christi am 13. September 326 durch seine Mutter, die heilige Helena, wiedergefunden. Neun Jahre später, am selben Datum, wurde die Grabeskirche geweiht. Am Tag darauf, also am 14. September, wurde in ihr das Kreuz aufgerichtet und dem Volk gezeigt. Seitdem wird dieser Tag jährlich gefeiert – als Fest der Verehrung und Erhöhung des Kreuzes.

Aber ist es nicht ein Widerspruch in sich, dass das Kreuz erhöht wird? Wie kann das Kreuz, das Symbol der Erniedrigung, des Leidens und des Todes, „erhöht“ werden? Der Gekreuzigte ist doch der Erniedrigte, der Gedemütigte, der die Lasten der Welt trägt.

Gerade darin aber liegt das Geheimnis: In der tiefsten Erniedrigung Jesu am Kreuz offenbart sich die größte Erhöhung. Denn nur wer sich selbst erniedrigt, so hören wir im Evangelium, wird erhöht werden. Die Erniedrigung in theologischer Sprache bedeutet nicht Selbstverachtung oder, sich selbst geringzuschätzen. Erniedrigung hat mit Demut zu tun.

Der hl. Augustinus bringt es auf den Punkt, wenn er sagt: „Der erste Weg zum Paradies ist die Demut, ebenso der zweite, der dritte, der vierte und so weiter: Immer ist die Demut der Weg – nicht, weil es keinen anderen gäbe, sondern weil ohne sie kein anderer zum Ziel führt.“

In der Kreuzerhöhung verwirklichen sich die Worte Jesu: „Die Letzten werden die Ersten sein.“ Das Fest erinnert uns daran, dass wahre Größe nicht in Macht und Ansehen liegt, sondern in der Demut. Sie ist der entscheidende Schlüssel zu einem glücklichen und erfüllten Leben: Ohne Demut bleiben wir orientierungslos; mit ihr aber finden wir zu innerem Frieden und zu einer tiefen Freude, die unsere Sehnsucht stillt.    Pfr. Ioan

 

Pfarrkalender

Lade...